Copyright und Urheberrecht

Die Idee, dass eine Urheberin zu ihrem Werk eine Art Mutter-Kind-Beziehung hat, wurde bereits von Martial in der römischen Antike geäussert: Er beschimpfte Fidentius, der Martials Gedichte als seine eigenen ausgab, als plagiarius (Menschenräuber). Im Gegensatz zur Antike, in der die Ausübung der artes liberales (der höheren Künste) unentgeltlich zu erfolgen hatte, ist das Recht auf Anerkennung der Autorschaft heutzutage mit dem Recht verknüpft, für die Wahrnehmbarmachung und Verbreitung des eigenen Werks entlöhnt zu werden. Relevant wurde das Vergüten von Urheberrechten mit der Erfindung des Buchdrucks: sie erlaubte es erstmals, literarische Werke in – verglichen mit der Handschrift – rasantem Tempo zu vervielfältigen und zu verbreiten. Allerdings waren dazu auf Seiten der Druckerei immense Investitionen notwendig, die kompensiert werden mussten. So dienten die Drucker-, Bücher- und Territorialpriviligien in erster Linie dazu, Druckereien den Absatz ihrer Bücher zu sichern, indem sie als Gegenleistung für ihre Investitionen ein Monopol erhielten.

Im anglo-amerikanischen Copyright-System ist dieses Prinzip erhalten geblieben: geschützt wird das Recht, bestimmte Werke zu vervielfältigen, als Gegenleistung für die Investition in die Werkausgabe, z.B. das Produzieren eines Druckwerks, eines Tonträgers oder eines Films – alles kostenintensive Vorgänge. Durch das Copyright werden also in erster Linie Nutzungsrechte an Werken verliehen, welche im übrigen registrierungspflichtig sind. Anders in Kontinentaleuropa: Hier geht man von einer wie bereits von Martial angedeuteten tieferen Beziehung zwischen Urheberin und Werk aus, weshalb hier vorallem Urheberrechte gesetzlich geschützt sind und auch nicht registriert werden müssen: Sie entstehen in dem Moment, in dem der Urheber eine Idee schöpferisch umsetzt. Der Schutz entsteht also am Werk, welches der Schweizer Gesetzestext wie folgt definiert: „Werke sind, unabhängig von ihrem Wert oder Zweck, geistige Schöpfungen der Literatur und Kunst, die individuellen Charakter haben“ (Bundesgesetz über das Urheberrecht und verwandte Schutzrechte).

Das Urheberrecht ist der Idee nach die Tauschmasse, mit der die Urheberin ihren Lebensunterhalt als Künstlerin verdienen kann. Als Urheberin hat sie insbesondere das Recht, als Urheberin anerkannt zu werden und über die (Erst-)Veröffentlichung ihres Werks zu bestimmen. Dies fällt unter das Gebiet des Persönlichkeitsrechts. Weiter hat sie die ausschliesslichen Rechte an der Vervielfältigung, Aufführung und Sendung ihres Werks. Allerdings hat sie die Möglichkeit, diese Rechte an Verlage bzw. Produzenten abzutreten. Produzenten und Verlage ihrerseits haben per se dem Urheberrecht verwandte Schutzrechte an den von ihnen produzierten Büchern, Ton- oder Tonbildträgern, namentlich das Recht auf Vervielfältigung. Werden Werke von Dritten verwendet, so fallen Vergütungen sowohl an die Urheber als auch an die Verlage bzw. Produzenten an. Diese Vergütungen werden von sogenannten Verwertungsgesellschaften erhoben und verteilt. In der Schweiz, gibt es fünf davon, z.B. verwertet ProLitteris Literatur und bildende Kunst. So ist jede Verwertungsgesellschaft für einen Kulturbereich zuständig.

 

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