Recht bis an die Grenze – und darüber hinaus

Als Victor Hugo 1862 sein Werk „Les Miserables“ veröffentlichte waren seine Rechte geschützt, aber nur bis an die Französischen Staatsgrenzen. In Deutschland, England und der Schweiz konnte sein Werk veröffentlicht, verkauft und bearbeitet werden, ohne dass der Autor gefragt oder gar entschädigt werden musste. Da geistiges Eigentum im 19. Jahrhundert vermehrt auch wirtschaftlich interessant wurde, setzte sich Victor Hugo für eine staatenübergreifende Lösung ein.

Am 5.Dezember 1887 war es soweit, acht Staaten (Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien,  Spanien, Schweiz, Tunesien und Grossbritannien) unterzeichneten die Berner Übereinkunft zum Schutze von Werken aus Literatur und Kunst.Im Zentrum steht die Gleichberechtigung von ausländischen und inländischen Urhebern, dies wird in Artikel 5 festgehalten:

„Die Urheber geniessen für die Werke, für die sie durch diese Übereinkunft geschützt sind, in allen Verbandsländern mit Ausnahme des Ursprungslands des Werkes die Rechte, die die einschlägigen Gesetze den inländischen Urhebern gegenwärtig gewähren oder in Zukunft gewähren werden, sowie die in dieser Übereinkunft besonders gewährten Rechte.“ Art.5 Abs.1 RBÜ

Der Schutz soll automatisch erfolgen, ohne Registrierung oder Anbringung eines Copyright Vermerk. Vereinheitlicht wurde auch die Dauer des Schutzes, der in jedem Land mindestens 50 Jahre über den Tod des Urhebers anhalten soll. Bis heute sind 167 Staaten der Berner Übereinkunft beigetreten.

Die Berner Übereinkunft wurde mehrmals überarbeitet, die letzte Anpassung ist von 1971. Neue Herausforderungen wie beispielsweise das Filesharing im Internet werden nicht thematisiert. Die Frage nach einer Anpassung vielleicht auch einer Lockerung stellt sich. Richard Stallman Mitbegründer von GNU/Linux übt grosse Kritik, an der bestehenden Berner Übereinkunft. Im Zentrum stehen dabei vor allem die Dauer des Schutzes und der Drei-Stufen-Test für Ausnahmen im Urheberrecht. Er ist der Meinung, dass Urheber verpflichtet werden sollten, die zu schützenden Werke einzutragen:

„Das Urheberrecht sollte zwei öffentliche Interessen abdecken: Erstens soll es die Publikation von neuen Werken stimulieren, zweitens soll die Freiheit geschaffen werden bereits publizierte Werke zu nutzen. Autoren und Künstler sollen dabei bereit sein, sich als Urheberrechtsinhaber ihrer Lizenzwahl durch die Öffentlichkeit beeinflussen zu lassen” Richard Stallman

Er steht damit ein für einen verbesserten Austausch von Wissen. Es scheint als hätte Victor Hugo geahnt, dass das Urheberrecht eines Tages auf der Kippe stehen wird und hat klar Stellung bezogen.

„Das Buch als Buch gehört dem Autor, aber als Gedanke gehört es – der Begriff ist keineswegs zu mächtig – der Menschheit. Jeder denkende Mensch hat ein Recht darauf. Wenn eines der beiden Rechte, das des Autors oder das des menschlichen Geistes, geopfert werden sollte, dann wäre es, zweifellos, das Recht des Autors, denn unsere einzige Sorge gilt dem öffentlichen Interesse, und die Allgemeinheit, das erkläre ich, kommt vor uns.“ Victor Hugo

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s