Open Access – Urheberrecht in der Wissenschaft

Die Idee des Open Access basiert darauf, dass wissenschaftliche Publikationen nicht doppelt bezahlt werden sollen: Forschende werden für ihre Arbeit – und damit auch für ihre Publikationen – von Steuergeldern bezahlt. Somit hätten zumindest alle SteuerzahlerInnen des jeweiligen Landes ein Anrecht auf den freien Zugang zu diesen Publikationen. Wenn Universitäten die Bücher und Artikel ihrer eigenen Forschenden für teures Geld bei den Verlagen für ihre Bibliotheken einkaufen bzw. lizenzieren müssen, bezahlen die SteuerzahlerInnen doppelt. Das macht volkswirtschaftlich gesehen wenig Sinn. Dazu kommt, dass die Wissenschaft davon lebt, Wissen möglichst schnell und weit zu verbreiten, damit es maximal wiederverwendet und weiterentwickelt werden kann. Die Grundsätze der Open Access-Bewegung wurden 2003 in der Berliner Erklärung formuliert.

Nun kann aber die absurde Situation auftreten, dass Verlage den AutorInnen von wissenschaftlichen Publikationen verbieten können, diese in einem Open Access-Repository wie zum Beispiel dem Dokumentenserver edoc der Universität Basel zu veröffentlichen. Denn die AutorInnen geben den Verlagen ihre Urheberrechte, z.B. das Recht auf Vervielfältigung und öffentliche Zugänglichmachung, ab, wenn dies vertraglich so geregelt ist. In diesem Falle geht Vertragsrecht vor Urheberrecht (vgl. Informationsplattform Open Access). Jedoch erlauben inzwischen viele Verlage den UrheberInnen ausdrücklich die parallele Selbstarchivierung auf einem Dokumentenserver. Denn den „Verlagsorganisationen wird immer mehr bewusst, dass ihnen die Wissenschaftler als Autoren abhanden kommen, wenn sie auf den durch die Urheberrechtsgesetze gegebenen Möglichkeiten beharren, die Verwertungsrechte der Autorinnen und Autoren per Vertrag gänzlich als Nutzungsrechte zu übernehmen“ (Kuhlen 2013, S.37).

Neben diesem „grünen Weg“ („Zweitveröffentlichung konventionell publizierter Beiträge“) gibt es den sogenannten „goldenen Weg“: die „Erstveröffentlichung von wissenschaftlichen Artikeln in qualitätsgesicherten (peer reviewed) Open-Access-Zeitschriften“ (Universitätsbibliothek Basel, Open Access). Ich kann mich Kuhlen (2013, S. 44) nur anschliessen, wenn den wissenschaftlichen Bereich nicht mehr abhängig von verlaglichen Zugeständnissen wissen will. Er postuliert eine „freie offene Nutzung der Informationsobjekte“ (ebenda) als Norm sowie die Möglichkeit, „einfache kommerzielle Nutzungsrechte“ (ebenda) an die Verlage zu vergeben, welche an den Publikationen durch Mehrwertprodukte wie Retrieval- und Miningdienste verdienen könnten vgl. ebenda).

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