Warum ist YouTube eigentlich legal?

Warum ist YouTube eigentlich legal? Diese Frage stellte ich mir immer wieder, bis ich beschloss, der Sache auf den Grund zu gehen. Wie ist es möglich, dass harmlose Downloader zu einer Geldstrafe in Millionenhöhe verklagt werden, während Google eine Plattform betreiben darf, auf der jedes erdenkliche Musikstück nur einen Mausclick entfernt ist? Hochgeladen von Sonny327, der bestimmt nicht der Rechteinhaber ist?

Laut YouTubes eigener Statistik werden pro Minute 100 Stunden Videomaterial hochgeladen. Da verliert man schnell einmal den Überblick. Aus dieser gigantischen Datenbank werden jeden Monat mehr als sechs Milliarden Stunden Videomaterial angesehen – und sicher auch einige Stunden Videomaterial runtergeladen, mit Hilfe von mühelos zu installierenden Browser Add-ons wie dem DownloadHelper. Doch auch wenn der zur Verfügung gestellte Inhalt nur gestreamt wird, macht sich der Uploader strafbar, wenn er nicht im Besitz der Urheberrechte der Videoinhalte ist. Denn er verstösst mit seinem Upload gegen das alleinige Recht des Urhebers (das er oft an Produzenten bzw. Plattenlabels oder Filmstudios abgetreten hat), seine Werke zu vervielfältigen und zu verbreiten.

Mit Hilfe von Content ID können Rechteinhaberinnen die Verwendung ihrer Werke auf YouTube orten und Rechtsverstösse melden. Dazu müssen sie zunächst beweisen, dass sie die Rechte des betreffenden Werks innehaben. Anschliessend haben sie die Möglichkeit, das Video z.B. entfernen zu lassen. YouTube selber macht sich nicht direkt strafbar als Host von User Generated Content, auch wenn dieser bekanntlich oft gegen Urheberrechtsgesetze verstösst. Dank des Digital Millennium Copyright Act von 1998 gilt für Online Service Provider die „Safe Harbour“-Regelung, die sie nur dann strafbar macht, wenn sie geschützte Inhalte nach Meldung einer Rechtsverletzung nicht entfernen. YouTube bietet in seinen Richtlinien zum Urheberrecht klare Anweisungen zur Handhabung von Urheberrechtsverletzungen. Dass diese genutzt werden, sieht man daran, dass immer wieder mal ein Video entfernt wurde, das man gerade anschauen wollte. Dass aber bei der Geschwindigkeit des Hochladens kein Rechteinhaber mithalten kann, ist ebenfalls nicht zu leugnen.

Doch es gibt auch die Möglichkeit, dass z.B. eine Band sich dafür entscheidet, ihre Musik selber via YouTube zum Streamen anzubieten – schliesslich hat die Plattform eine einzigartige Reichweite. Die Nutzung dieser Musik wird seit dem 1.9.2013 auch automatisch vergütet – seit dann hat YouTube nämlich einen Lizenzvertrag mit der Schweizer Musik-Verwertungsgesellschaft SUISA. Im Rahmen eines regelmässigen Reportings gibt YouTube Nutzungsdaten seiner Inhalte an die SUISA weiter. Für die von der SUISA vertretenen Musikwerke werden dann von YouTube nutzungsabhängige Beträge ausbezahlt. Allerdings braucht es mehrere Zehntausend Clicks, bis der Ertrag spürbar wird. Zudem untersteht der Betrag pro Click der Geheimhaltung und ist abhängig von YouTubes Werbeeinnahmen (vgl. SUISAblog).

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